Der Chor der Perser
Aktuell
Premierenkritik
Termine
Forum
Bürgerchor
Gästebuch
Kontakt-Formular
Fotoalbum
Interessante Links
Impressum
Sitemap

Premiere im Roten Saal:

Niederdeutsches Theater Braunschweig

bringt „Naver un Fründ“

Premierenvorstellung beim Niederdeutschen Theater im Roten Saal im Schlossnachbau in Braunschweig. Der Saal ist gut gefüllt. Reimer Hebbeln, Theaterleiter,  wird hinterher „von einer sehr gut besuchten Vorstellung“ sprechen und sich wünschen mit dem aktuellen „Naver un Fründ“  an den Erfolg des letzten Stücks mit fünf ausverkauften Abenden anknüpfen zu können. Doch zurück zum Publikum unmittelbar vor der Premiere. Wo sich nach dem Erlöschen des Lichts normalerweise eine  beinahe ehrfurchtsvolle Stille ausbreitet, gehen hier die Unterhaltungen noch unvermindert weiter. Selbst nachdem sich der so schön plüschrote Vorhang für den ersten Aufzug geöffnet hat, braucht es noch einen Augenblick bis es ganz still wird.

Eines wird rasch klar. Das hier ist Theater nahe am Menschen. Das Publikum fühlt sich nicht durch einen Graben von dem Geschehen auf der Bühne getrennt.  Es läßt sich ansprechen und reagiert unmittelbarer als man das anderenorts gewöhnt ist. Wenn Willi seiner Lebensgefährtin Lotti schweigend die Kaffeetasse zum Nachschenken hinhält, erntet er vernehmlichen Protest. „Aber trinken kann er hoffentlich noch selbst.“ Das Publikum geht stärker mit, nimmt deutlich Stellung zu dem Geschehen auf der Bühne. Es fühlt sich einfach wohl. In der Pause nach dem dritten Aufzug wird das Ganze dann fast familiär. Jeder  versorgt sich zu sehr zivilen Preisen an der Theke. Selbstgebackener Kuchen und Kaffee kosten einen Euro, Wasser und Tee nur 50 Cent.

Und wie war das Stück? Willi (Andreas Hartmann) hat sich seine Lotti (Renate Hofmeister) in ihrer sieben Jahre dauernden Beziehung zu einer gefügigen Hausfrau erzogen.  Wenn sie wegen seiner ständigen Zumutungen Unmut äußert, bringt er sie mit einer sorgfältig dosierten Zärtlichkeit wieder zur Ruhe. Doch diesmal hat er den Bogen überspannt. Vor Lotti antwortet er auf eine Kontaktanzeige, in der eine „junge, lebenslustige  Witwe“ einen älteren Herrn zwecks gemeinsamer Lebensführung sucht. So einfältig, wie er gerne glauben möchte, ist seine Lotti nun doch nicht. Seiner Ausrede, es ginge nicht um ihn selbst, sondern er suche für den seit einem Jahr verwitweten Nachbarn  Jan Detlefsen, gespielt von Dieter Petersen, schenkt Lotti keinen Glauben. Sie beginnt  sich zu emanzipieren. Zum Happy-End kommt es völlig anders als Willi das geplant hatte. Es gibt zwei glücklich-verliebte Paare, wo es vorher nur ein wenig-glückliches gegeben hat. Und Willi schaut ganz schön belämmert aus.

Das Fazit: Eine gelungene Premiere mit tollen Darstellern, die ein unterhaltsames Stück spielen in dem jedoch viel  zu oft Kaffeegeschirr auf- und wieder abgeräumt wird. Trotzdem: Hingehen, sich gut unterhalten lassen. Die Karten kosten zwischen 10 und 12 Euro. Die nächsten Aufführungen sind am Freitag, 01.05. um 19.30 Uhr und am Sonntag, 03.05. um 16.00 und 19.30 Uhr. Karten gibt es an der Theaterkasse oder unter Telefon 0531-3540803. Weitere Informationen unter www.nt-bs.de .       (Michael Ritter)

Von links: Erwin Adam, Marlies Franke und Andreas Hartmann